Pressestimmen

Das Spandauer Volksblatt vom 20.03.2012

Märkische Allgemeine Zeitung am 10.01.2012

Alexander Haugg und Johanna Maria Krasemann

Wo die USA zu Chinas Garküche wird

Spandauer Theater Varianta zeigt Kabarett

SPANDAU - Der angejahrte Charme der Aula im Spandauer Kant-Gymnasium bildete einen krassen Gegensatz zum aufmüpfigen und modernen Programm auf der Bühne. Hier zeigte sich das Theater Varianta erstmals von seiner Kabarettseite. Und das in einer Zeit reicher innerer Querelen.

Nachdem Varianta in der Folge der Ära des legendären Prinzipals Nusche endlich in ruhiges Fahrwasser gekommen war, platzte vor Weihnachten eine Bombe: Im November legte der neue Theaterleiter Heinz Troschitz sein Amt nieder. Das Ensemble stand plötzlich ohne Vereinsvorsitzenden da. Nun mussten sich die Schauspieler mit Vereinsrecht, Klagen und Gegenklagen plagen, so dass die geplante Kabarettpremiere auf Februar verschoben wurde. Einen Vorgeschmack gab es dieser Tage aber schon. Der Abend versprach kurzweilig zu werden. Es ging um Politik unter dem Motto „Politiker und Kabarettisten haben zwar keine Ahnung, aber auf alles eine Antwort“.

Derzeit stehen die Geldinstitute in der Kritik. „Rating bedeutet, dass Banken ganze Länder schlecht reden zum Nutzen von Banken – das versteht kein Mensch“, fand Heinz Klever, und das Publikum stand auf seiner Seite. Mit deftigem Inhalt und schlaksigen Bewegungen amüsierte der Schauspieler und Autor die Zuschauer immer wieder. „Entweder man bekommt Depressionen oder man lacht sich krank“ – damit machte er sich über das Gesundheitssystem her. Seine muntere Partnerin Christine Felix Pohl spielte eine hinreißend sächselnde Kleinmöbelberaterin beim Internisten. Sie musste den Mediziner mit Zigarettengeschenken bei Laune halten. „Gruselig“, raunte das Publikum im halbvollen Saal. Das war durchaus als Kompliment an die Kabarettisten zu verstehen.

Die Erde wird an Hedge Fonds verkauft, der Hintern ist kein Goldfischglas und China macht aus den USA eine Garküche – Schlag auf Schlag hagelte es Pointen. Die Spielfreude ist dem Kabarett-Quartett, zu dem auch Johanna Maria Krasemann und Alexander Haugg gehören, anzumerken.

Dann traf man Heinz Klever und Johanna Maria Krasemann in einer neurophysiologischen Versuchsanstalt, in der Herr Klagepütz gecheckt wurde. Mittels elektromagnetischer Steuerung wählte er sich durch das gesamte politische Spektrum von rechts nach links und wieder zurück. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ex-Varianta-Vorsitzender und derzeitiger Prozessgegner Heinz Troschitz war im richtigen Leben zunächst SPD-Mitglied, bevor er durch die politische Landschaft tingelte, von der WASG bis zur Schill-Partei hat er inzwischen alles durchprobiert. Sein Slogan „Das Bonbonpapier gehört in den Mülleimer!“ ist keine Satire, birgt aber sicher noch viel Stoff für weitere knackige Kabarettnummern!

Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus. Man darf sich auf die Premiere im Februar freuen.

Die Vorpremiere von „Hart, aber unfair“ findet am 17. Februar, 20 Uhr,

in der Carl-Schurz-Straße 59 in Berlin Spandau statt. Die Premiere ist am 24. Februar, 20 Uhr. (Von Judith Meisner)

Aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung 02.01.2012

 

Theater um das

 

 

Theater

 

Varianta-Mitglieder zeigen sich gegenseitig an

 

Spandau. Im Theaterverein Varianta ist es zu einem dramatischen Führungswechsel gekommen.

 

Er sei am 13. November von Schauspielern festgehalten und gewürgt worden, sagt Heinz Troschitz, zu diesem Zeitpunkt noch 1. Vorsitzender des Theatervereins.

Heinz Klever, Autor und Regisseur des aktuellen Varianta-Stücks „Et jeht doch nischt über die Familie“, wiederum sagt, man habe bei einem Streit Troschitz nur kurz den Weg versperrt. Beide Kontrahenten sagen, dass Zeugen ihre Version bestätigen.Troschitz hat Strafanzeige wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung gestellt, Klever kündigt eine Anzeige wegen übler Nachrede, Rufschädigung und geschäftsschädigendem Verhalten an.

Damit eskalierte ein Streit, der sich zwischen den Künstlern und dem ersten Vorsitzenden Heinz Troschitz hinter den Kulissen aufgebaut hatte. Erst am 9. November hatten langjährige Varianta-Mitglieder in einem offenen Brief versucht, Brücken zu bauen: „Heinz Troschitz ist mit seiner kaufmännischen und organisatorischen Kompetenz ein Glücksfall für unser Theater, so wie es das Duo Klever / Martin mit der künstlerischen Kompetenz ist“. Mit Martin ist Sonya Martin gemeint, Ehefrau von Heinz Klever, die ebenfalls in den vergangenen Jahren als Regisseurin und Schauspielerin an Varianta-Produktionen beteiligt war.

Mit dem so unterschiedlich beschriebenen Vorfall vom 13. November waren die Brücken jedoch nicht mehr passierbar. Am 14. November erklärte Troschitz seinen Rücktritt. Fast zeitgleich fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins statt, die Sonya Martin als zweite Vorsitzende einberufen hatte. Auf dieser wurde Troschitz abgewählt. Als Nachfolgerin wurde die Schauspielerin Christine Felix Pohl gewählt. Troschitz hält die Wahl allerdings für ungültig, da von 34 Vereinsmitgliedern nur 14 anwesend waren. CS

 


 

Kommentar

Chance auf einen Neuanfang

 

Das Tischtuch ist zerrissen. Vereinsmitglieder, die sich gegenseitig mit Strafanzeigen überziehen, werden zusammen nichts mehr zustande bringen können.

Doch dieses Ende mit Schrecken kann auch die Chance zu einem Neuanfang bedeuten.Fakt ist, dass das Spandauer Volkstheater Varianta mit dem krankheitsbedingten Ausscheiden des langjährigen Spandauer Theaterprinzipals Wolfgang Nusche arg ins Schlingern kam. Als Sonya Martin und Heinz Klever dazukamen,

zeigten sie, dass Volkstheater noch immer intelligent und unterhaltsam gemacht werden kann. Ihre

künstlerische Arbeit gab dem Theater wieder eine Perspektive.

Fakt ist auch, dass auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung mit einer Ausnahme auch das komplette aktuelle Ensemble anwesend war und dem zu diesem Zeitpunkt schon zurückgetretenen

Vorsitzenden sein Misstrauen bekundete. Auch wenn Troschitz’ Anwalt Marcel Eupen betont, ein zurückgetretener Vorsitzender könne gar nicht abgewählt werden. Allerdings ist es undenkbar, dass ein

Theatervereinschef ohne das Vertrauen der Künstler seine Arbeit machen kann.

Jetzt geht es jenseits aller juristischen Auseinandersetzungen darum, dass Varianta seinen erfolgreichen künstlerischen Weg weitergehen kann, und Spandaus einziges regulär spielendes Erwachsenentheater

weitermacht. Die Künstler müssen sich jetzt eben auch mit den Mühen des Vereinswesens befassen.

Christian Schindler

 


 

Beide Artikel aus dem Spandauer Volksblatt, Mittwoch 23.11.2011

 

 

Spandauer Volksblatt (Süd) vom 26.10.2011

Märkische Allgemeine vom 6.12.10

 

 

PREMIERE: Kallinke und Kalinka

Theater „Varianta“ bringt Berliner Volksstück mit Musik

SPANDAU - Der rote Vorhang mit den glitzernden Pailletten ist noch der alte im Theater „Varianta“, sonst hat sich viel geändert. Nach einer Phase der Unsicherheiten und neuen Anläufe hat sich die Spandauer Truppe nun unter der Leitung von Hans Klever als Autor, Regisseurin Sonya Martin und Geschäftsführer Waldemar Arndt konsolidiert. Das aktuelle Stück „Liebe, Zoff und Wirtschaftswunder“ verbindet leichtfüßig Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die aufrauschende Wirtschaftskraft der jungen Bundesrepublik. Das alles führt in die 50er-Jahre auf einem Spandauer Hinterhof.

Vater Kallinke (Heinz Klever) vermisst seine Frau, die im Bombenhagel ums Leben kam: „Ich sage ihr noch, nimm den Schirm mit.“ Mit solcher Art Humor gespickt ist das Stück und das kommt prächtig an – viel besser als die dumpfen Zoten vergangener Aufführungen. Mit so einem feingliedrigen Drama kann man auch gute Schauspieler begeistern.

Alles dreht sich um Tochter Inge, gespielt von Johanna Maria Krasemann, und deren Liebschaften. Zuerst ist da der Volksarmist Sigi (Sebastian Kwaschnik), der mit dem Lied „Kalinka“ das Publikum bei der Premiere zum Mitsingen und Klatschen brachte. Auf Sigi folgt Joe, ein GI. Mit diesem US-Soldaten hat die blonde Inge auch nicht viel mehr Glück.

Inges Bruder Horst ist ebenfalls von Unglück verfolgt, gegeben von Jesco Wirthgen, geht er doch Schiebern auf den Leim. Bevor der als Abgeordneter nach Bonn geht, wird seine Frisur ruiniert vom multipel einsetzbaren Staubsauger des penetranten Vertreters Haselmeier, in die Technik verliebt gespielt von Waldemar Arndt, einem der wenigen verbliebenen Laien in der Truppe.

Aus dem einstigen Nusche-Ensemble ist noch die fidele Christel Grünwald mit von der Partie. Als Kneipenwirtin wirkt sie großmütterlich verträumt oder lebensklug, sieht sogar den Mauerbau voraus und erhält Szenenapplaus. Sie bringt den flotten Feger Teresa Blume ins Spiel. Sobald Christina Hagenah den Evergreen „Lili Marleen“ singt, ist das Publikum mäuschenstill und der Kopf mancher Dame sinkt seufzend an die Schulter ihres Begleiters. Das Happy End ist überraschend und rührend schön. 

Auf ein Lied allerdings verzichtet die Truppe, und das ist klug: das so genannte Varianta-Lied. Das ist in der Mottenkiste gut aufgehoben. Das neue Stück zeigt: Das Volkstheater in der Spandauer Altstadt ist wieder da.

„Liebe Zoff und Wirtschaftswunder“ läuft bis Ende April 2011 jeden Sonnabend 20 Uhr und jeden Sonntag 15 Uhr; außerdem am 1. und 2. Freitag des Monats um 20 Uhr. Carl-Schurz-Strasse 59, Berlin-Spandau. Infos und Karten unter www.theatervarianta.de

(Von Judith Meisner)